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Deniz Kayadelen: “Ich setze mir immer klare Ziele”

Deniz Kayadelen ist Wirtschaftspsychologin, zertifizierte Coach, Speakerin und Autorin des Buches „Out of Comfort Zone“. Sie schwimmt seit 20 Jahren lange Strecken im Meer, hat den Ärmelkanal und den Nordkanal überquert und ist dreifache Weltmeisterin im Eisschwimmen. Das Interview führte Esra Elmaci.


SWANS: Wie würdest du dich selbst beschreiben?


Deniz: Multikulturell aufgewachsen und leidenschaftlich. Ich versuche das Leben in vollen Zügen zu leben und zu verstehen. Es ist mir wichtig, uns Menschen zu verstehen und wie wir ticken. Deswegen habe ich mich damals dazu entschieden, Psychologie zu studieren.


Ich habe durch meine eigene Multikulturalität verstanden, dass viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte anders denken. Viele Konflikte, aber auch viele schöne Dinge entstehen durch unsere Unterschiede. Ich bin offen und habe viele Perspektiven und möchte das Leben entdecken.


SWANS: Wo war es in deinem Leben besonders schwer?


Deniz: Besonders schwer war für mich die Trennung meiner Eltern und daraufhin Deutschland im Alter von elf Jahren verlassen zu müssen. Wegen der Scheidung sind wir damals nach Istanbul gezogen. Da musste ich auf einmal mein Land und meine Muttersprache aufgeben, Freund:innen, Teile meiner Familie und auch mein Vater. Istanbul war ein Kulturschock für mich, ich habe mich alleine und einsam gefühlt. Es war echt eine schwierige Zeit - vor allem, mit all diesen Unterschieden umgehen zu müssen.


SWANS: Und wo war es besonders einfach?


Deniz: Mir fällt es besonders einfach, mich auf verschiedene Personen einstellen und mich anpassen zu können. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich damals diese Herausforderungen erlebt habe.


Ich war beispielsweise eine längere Zeit in Johannesburg (Südafrika). Viele Menschen haben versucht, mir Angst einzujagen und mir gesagt, dort wäre es gefährlich. Ich habe jedoch bereits am ersten Tag innerhalb von zwei Stunden meine Nachbar:innen kennengelernt, konnte mir ein soziales Netzwerk aufbauen und anschließend auch die Covid-Pandemie mit diesen Menschen verbringen. Es war keine einfache Zeit während der Pandemie, aber es fiel mir besonders leicht, diese Beziehungen zu knüpfen. Ich denke, diese Stärke hat mit den Tatsachen zu tun, die mich in meinem Leben geprägt haben - und dazu gehört nun mal meine Multikulturalität.


SWANS: Was treibt dich im Wasser und im Leben an?


Deniz: Meine innere Stimme, etwas bewegen, teilen, aber auch etwas erleben zu wollen und die Tatsache, dass ich mich vom Leben inspirieren lasse. Was mich immer wieder reizt, ist es, immer wieder neugierig zu sein. In meinem Kopf schweben ständig die Fragen "Was kannst du noch machen, Deniz?" und "Was kannst du noch erleben?" Das gibt mir die Kraft, mich immer wieder hinzusetzen und die Dinge diszipliniert anzugehen und meine Ziele zu verfolgen. Ich setze mir immer wieder klare Ziele und Perspektiven, auf die ich hinarbeite. Der Reiz, ein Ziel zu haben und den damit verbundenen Weg zu gehen, treibt mich an. Sich selbst zu entdecken - auf diesem Weg warten immer wieder neue Überraschungen.


SWANS: Was empfiehlst du aus deiner Erfahrung jungen Frauen für den Aufbau eines Netzwerks?


Deniz: Fangt mit kleinen Schritten an und findet für euch selbst heraus, mit wem ihr euch explizit vernetzen wollt. Das empfinde ich als sehr wichtig. Legt los und recherchiert die Person. Als Schwimmerin habe ich in vielen Netzwerken Anschluss finden können. In Themenvereinigungen trifft man oftmals auf Gleichgesinnte - da sind die Barrieren wesentlich geringer.


Wenn du dich gerne mit einer bestimmten Person vernetzen möchtest, dann trau dich, auf sie zuzugehen oder schreibe sie einfach mal an. Du hast nichts zu verlieren! Sogar wenn die angeschriebene Person darauf nicht reagieren sollte, hast du nichts verloren. SWANS: Hast du in deiner beruflichen oder sportlichen Laufbahn Rassismus und/oder Sexismus erfahren?


Deniz: In meiner Jugend habe ich beim Schwimmen gemerkt, dass einige Menschen dort ein Problem mit der türkischen Kultur haben. Ich habe diese Kommentare aber ignoriert, mich nicht verunsichern lassen und einfach weitergemacht.

Als Frau kriegst du immer wieder Kommentare oder unangenehme Komplimente. Es ist sehr wichtig, wie man damit umgeht. Ich habe ihnen keinen Raum gegeben und mich immer wieder auf meine Aufgaben und die Dinge fokussiert, die ich mache. Ich habe sehr stark darauf geachtet, die Aufmerksamkeit immer und immer wieder auf meine Arbeit und meine Leistung zu lenken, auch durch meine Persönlichkeit.


Ich halte es für unheimlich wichtig, alles selbstbewusst anzugehen - deswegen habe ich mir das mit der Zeit angeeignet. Das Wichtigste ist, dass du an dich selbst glaubst. Wenn du das verinnerlicht hast, hat jeder Mensch auf der Welt Achtung vor dir.


SWANS: Danke für das Gespräch!


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