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Seminarbericht: Social Media & Aktivismus


Wie kann ich Social Media als Werkzeug des Aktivismus nutzen? Wie baue ich meine Reichweite aus – und gebe dabei auch auf mich selbst Acht? Das haben 20 Teilnehmerinnen unseres SWANS Seminars „Social Media & Aktivismus“ gelernt – im Rahmen unseres Projekts FATMA (Förder-Aktivitäten für mehrfachdiskriminierte Akademikerinnen), gefördert vom Programm „Demokratie leben“ der Bundesregierung.


Hochkarätiger können wir nicht starten: Beim Auftakt des Seminars am Freitagabend im äthiopischen Restaurant „Blue Nile“ treffen die Teilnehmerinnen auf Ex-Amnesty Generalsekretärin Selmin Caliskan und Tik Tok Influencerin Gardinia Borto. Bei einem gemeinsamen Abendessen lernen die Teilnehmerinnen sich gegenseitig und unsere prominenten Gästinnen kennen. Sie führen erste Gespräche über ihre Erfahrungen und Herausforderungen mit Social Media Aktivismus und nutzen die Gelegenheit, sich miteinander zu vernetzen. Sie diskutieren politische und gesellschaftliche Themen – und wie sie mit ihnen auf Social Media umgehen. Dabei berichten Selmin und Gardinia als Profis von ihren eigenen Erfahrungen und geben den Teilnehmerinnen Tipps mit auf den Weg. „Mein Highlight am Wochenende war, so viele tolle, inspirierende Frauen kennenzulernen – direkt am Anfang“, berichtet eine Teilnehmerin begeistert.


Workshops zu den Themen „Social Media Strategien & Contentmarketing“ und „Social Media & Mental Health“ – das steht am Samstag auf dem Programm. Den Einstieg macht Irem Yalim, Jurastudentin und zweifache Gründerin: Ihr Unternehmen Yalimedia ist eine Social Media und Content Agentur und ihr zweites Unternehmen Yalievents ist spezialisiert auf Content Creation für Events. In ihrem Workshop vermittelt Irem konkrete Strategien zur Entwicklung von Social Media Profilen, Strategien und zum Content Marketing – mit besonderem Augenmerk auf die spezifischen Herausforderungen und Chancen der Teilnehmerinnen. Irem betont: Eure individuellen Erfahrungen und Perspektiven leisten einen einzigartigen Beitrag zum Aktivismus in den sozialen Medien!


Nachmittags geht es darum, wie soziale Medien unsere psychische Gesundheit beeinflussen können – und welche Strategien zur Selbstfürsorge wichtig sind. Den Workshop leitet Anahita Sattarian, Psychologin und psychologische Psychotherapeutin in Ausbildung. Ihr Schwerpunkt ist die Verhaltenstherapie. Sie befasst sich intensiv mit dem Thema Mental Health und klärt dazu auf ihrem Instagram Account auf. Insbesondere BIWoC-Aktivistinnen werden oft mit Online-Hass, Diskriminierung und dem Druck, regelmäßigen Content bieten zu müssen, um sichtbar zu werden bzw. zu bleiben, konfrontiert.


Während Social Media Verbindung zwischen Menschen, Möglichkeiten des Vernetzens und Verbreitung von Wissensbeständen bedeutet, hat es auch seine Schattenseiten. So sind Angstzustände, depressive Stimmung und Schlafstörungen auf die verstärkte Nutzung von Social Media zurückzuführen. Anahita gab konkrete Tipps, wie eine bewusste Social Media Nutzung möglich ist. Dabei berichtet sie aus ihrem persönlichen Leben: Seit einer gewissen Zeit hat sie sich einen Wecker zugelegt, um nicht länger von ihrem Handy abhängig zu sein. „Die Schlafenszeit möchte ich ohne mein Handy verbringen. Das macht viel mit einem.“ Die alltagsnahen Empfehlungen kamen bei den Teilnehmerinnen besonders gut an.


Am Sonntag ist Raum und Zeit für Empowerment und gegenseitige Inspiration, um die Teilnehmerinnen dazu zu ermutigen, ihre einzigartigen Stimmen im Social Media Aktivismus zu nutzen und sich für ihre Anliegen stark zu machen. Es ging hier um grundlegende Aspekte wie z. B., ob die Teilnehmerinnen für den Aktivismus einen gesonderten Account auf Social Media einrichten sollten oder nicht. Es wurden Vor- und Nachteile abgewogen und gemeinsam diskutiert. In ihrem abschließenden Vortrag zum Thema „Aktivismus rassismuskritisch gestalten“ regt Charlotte Nzimiro, Onlineaktivistin und Admin der Instagram Seite Black Power Germany, dazu an, über die Rolle von BIWoC im Kampf gegen Rassismus auf Social Media nachzudenken. Charlotte erzählt dabei viel von ihren eigenen Erfahrungen zum Thema Online Aktivismus. Sie spricht offen über ihre Fehler und sagt: „Ich kann nicht alles über Anti-Rassismus wissen. Ich habe Fehler gemacht und werde Fehler machen.“ Einen

weiteren wichtigen Hinweis gibt sie den Teilnehmerinnen mit: Mit Bedacht Inhalte posten und ggf. Triggerwarnungen anfügen. Für den Eigenschutz empfiehlt sie, nicht alle Bilder und Videos auf Social Media zu öffnen. Sie können verletzenden Content beinhalten, die auch einen selbst belasten können.

Nachdem 2019 ein deutsches Gericht entschied, dass das N-Wort nicht grundsätzlich abwertend ist, startet Charlotte eine Petition, um es offiziell als rassistisch einordnen zu lassen. Dabei betont sie immer wieder, dass man sich mit wenigen Klicks oder einem Post aktiv gegen Rassismus positionieren kann.


Das Seminar endet mit einem Gefühl der Stärkung und des Gemeinschaftsgefühls unter den Teilnehmerinnen. Mit neuen Kenntnissen, Fähigkeiten und einem erweiterten Netzwerk sind sie nun ausgestattet, um ihren Social Media Aktivismus erfolgreich voranzutreiben – und eine positive Veränderung in ihren Communitys und in der Gesellschaft zu bewirken.


Eine Teilnehmerin fasst zusammen:


„Ich habe viel dazu gelernt, neue Perspektiven erhalten und den Safe Space gehabt, um offen und ehrlich meine Meinung sowie Erfahrungen zu teilen.“

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